Spielgeist
Spielgeist - über Fußball, das Spiel
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Folge 5: Deutscher Fußball, Teil 1 (Kultur und Spielstil)
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Martin Rafelt spricht darüber, was den deutschen Fußball kulturell ausmacht und welche Spielweise sich daraus ergeben kann.
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Spielgeist - Folge 5: Deutscher Fußball, Teil 1
/[00:00:00]
[00:00:10] [00:00:20] So, da sind wir wieder nach 'ner kurzen Pause, die der Podcast gemacht hat. Dachte ich, wir können mal wieder 'n bisschen quatschen. Ich weiß gar nicht genau, wann die letzte Folge [00:00:30] war. W-was ist denn in der Zwischenzeit passiert? Das ist, äh für die, die das vielleicht nicht mitbekommen haben und da gerne nachhören wollen: Ich hab e-einige Podcast Episoden im Third Circle auf Englisch aufgenommen [00:00:40] mit dem Jamie Hamilton.
Da haben wir viel über so Fußballphilosophie geredet. Ich war letzte Saison bei der U19 von von Preußen Münster bisschen U19 Bundesliga da als [00:00:50] Co-Trainer aktiv. ähm Das hat viel Spaß gemacht. Ich habe die Academy auf neue Beine gestellt Spielverlagerung dot Academy ist jetzt die Website wo man alles [00:01:00] abrufen kann naheliegenderweise. Äh, Schön, dass es die URL gibt . Findet man jetzt alle Seminare, die ich mache. Ist jetzt alles deutlich aufwendiger, deutlich [00:01:10] professioneller durchproduziert. Und was außerdem noch passiert ist, und das ist schon so ein kleines bisschen Mitgrund für diesen Podcast heute ist, dass [00:01:20] Spielverlagerung aktuell deutscher Doppelmeister ist, habe ich es genannt. Also der Kollege Rene Maric ist natürlich Meister mit Bayern geworden als Co-Trainer, aber darüber [00:01:30] hinaus der Kollege Adin Osmanbašić Co-Trainer bei Schalke, ebenfalls Zweitligameister geworden.
Damit stellt sich Spielverlagerung sozusagen [00:01:40] beide Meistertitel in die Vitrine.
Letzte Woche gab's ja auch noch das Aufeinandertreffen der beiden in der Bundesliga, was 'n, äh, ja großen Meilenstein in der Spielverlagerung-Geschichte darstellt [00:01:50] und wo man, glaub ich, auch sagen kann, dass wir in Anführungszeichen, da 'n bisschen in der, in der Spitze des deutschen Fußballs ganz gut angekommen sind.
Deswegen dachte ich, es ist eigentlich gutes [00:02:00] Timing, um so 'n Ding mal rauszuhauen. Und darüber hinaus is Deutschland mal wieder dolle, hat Deutschland mal wieder dolle verkackt bei einer [00:02:10] WM.
Darf man, glaub ich, so sagen. Ich hab das ja im Rasenfunk auch schon im Detail sehr stark begleitet. Wer da noch mal nachhören will ähm, kann da meine Einschätzung noch mal [00:02:20] hören. Und in Folge dessen gab's natürlich sehr, sehr große Diskussionen über den deutschen Fußball als solchen, die deutsche Fußballkultur, wie er sich entwickelt hat in den letzten [00:02:30] äh, zehn Jahren, fünfzehn Jahren mit den NLZets und so weiter und so fort, der neuen Trainergeneration, Spielergeneration, veränderte Umfelder, ba, ba, ba. Jetzt ist Jürgen [00:02:40] Klopp Nationaltrainer. Über den habe ich auch schon mal 'n Buch geschrieben und ähm, ich hab sehr viele Gedanken mir gemacht über dieses generelle Thema des deutschen [00:02:50] Fußballs, was den deutschen Fußball auszeichnet, was in der Vergangenheit da gut funktioniert hat, warum Deutschland so eine erfolgreiche Fußballnation gewesen ist und warum sie's jetzt gerade nicht [00:03:00] mehr Ich glaube, ich hab da auch 'n paar ganz gute Einblicke, ne. Also ich bin mit, mit vielen Trainern in, in engem Kontakt. Ich hab wie gesagt jetzt [00:03:10] U19 Bundesliga selber mal mitgenommen. Ich kenn auch den Vergleich m-mitm Ausland, hab in Kroatien in einer sehr, sehr erfolgreichen Fußballkultur auf höchstem Level gearbeitet.
Ich bekomme [00:03:20] über meine Seminare viel Input, gerade auch aus dem englischsprachigen Raum, krieg ein bisschen mit, wie ist die, wie ist die englische Fußballkultur im Vergleich, die ja auch 'n bisschen seit Jahrzehnten schon mit sich [00:03:30] hadert und jetzt immer noch nicht den großen Durchbruch geschafft hat, obwohl's bei denen schon viele, viele Verbesserungen gab.
Hannes Wolf hat 'ne große Neustrukturierung des, des [00:03:40] Nachwuchsfußballs angestoßen, die ich sehr, sehr gut finde, wo wir 'n bisschen vielleicht noch kurz drüber sprechen werden. Aber das macht's auch schon so 'n bisschen, das ist auch schon [00:03:50] Fingerzeig dahin, dass natürlich extrem viele Sachen miteinander vermischt werden.
Die Nachwuchsreform, die 2000 wat, 24 oder so angefangen hat, die ist natürlich nicht dafür verantwortlich, dass man 2026 bei der WM nicht gut [00:04:00] abschneidet. Ich möcht das 'n bisschen einordnen und erklären.
Ich möcht 'n bisschen darüber reden, was ich für deutsche Fußballkultur halte und was man daraus für Schlussfolgerungen ziehen kann. Sozusagen die Frage: Was musst du [00:04:10] anders machen, wenn du im deutschen Fußball arbeitest, verglichen damit, wie du generell im Fußball arbeitest?
Und dann will ich noch 'n bisschen über die äh, [00:04:20] spezifischen Anforderungen, Probleme, Umstände der Nationalmannschaft sprechen weil das ja, glaub ich, auch jetzt gerade interessant ist und ist ja eigentlich 'n bisschen unfair, dass man [00:04:30] die Ergebnisse der Nationalmannschaft als totalen Maßstab für das Fußballland ansieht, weil in der Nationalmannschaft stehen dann auch nur elf Fußballer von ein paar Millionen [00:04:40] auf 'm Rasen.
Wenn sich jetzt alle verbessern außer der elf Besten, würde man eigentlich sagen: „Okay, das ist auch schon deutlich besser geworden, diese Fußballnation und die Nachwuchsförderung und [00:04:50] so“, aber das ist dann eben nicht im letztendlichen Turnier messbar und führt dann nicht dazu, dass irgendjemand 'n bisschen, 'n bisschen stolzer und bisschen zufriedener mit seinem Land Deswegen macht's, glaub ich, Sinn, [00:05:00] wenn man über die Ergebnisse in der Nationalmannschaft redet, auch spezifisch darüber zu reden, was mit der Nationalmannschaft passiert ist und nicht nur darüber, was im deutschen Fußball insgesamt [00:05:10] passiert.
Das heißt, ich will erst über die deutsche Fußballkultur reden, dann da 'n bisschen draus ableiten, was das für den deutschen Fußball heißt. Wofür muss deutscher Fußball stehen? [00:05:20] Worin ist deutscher Fußball überragend und was macht man optimalerweise dann daraus? Und dann auf der einen Seite: Was heißt das für die Entwicklung von Fußballern?
Auf der [00:05:30] anderen Seite: Was heißt das für die Nationalmannschaft? Und äh, wie war es jetzt in der Nationalmannschaft zuletzt?
Was ist Fußballkultur
Fangen wir mit der deutschen Fußballkultur an. Ich will erst mal [00:05:40] 'n paar Wörter darüber verlieren, was meines Erachtens eine Fußballkultur überhaupt ist und, und ausmacht weil ich glaube, der Begriff wird jetzt [00:05:50] primär in diesem Sinne der ja im Sinne der Fankultur zum Beispiel verwendet und wird dann immer mal wieder als sehr vage einfach so rausgeholt und gesagt äh, [00:06:00] das zeichnet die deutsche Fußballkultur aus.
Deutschland ist ein Fußballland, aber es wird nie so richtig darauf eingegangen, was das heißt. Aber ich glaube, es ist wichtig, als Trainer und so weiter auch 'n bisschen 'ne [00:06:10] Idee zu von diesem Kontext, in dem man sich da bewegt, woraus dieser Kontext genau besteht.
Punkt eins ist diesbezüglich natürlich der gesamt kulturelle Stellenwert. Die [00:06:20] USA zum Beispiel hat eine beschissene Fußballkultur, weil der Fußball dort keinen Stellenwert hat. Der hat 'nen deutlich höheren Stellenwert für [00:06:30] Mädchen. Deswegen sind die 'ne erfolgreiche Fußballkultur im Frauensport.
Aber bei Jungs und Männern ist Fußball nicht angesehen als, als Sportart und deswegen [00:06:40] sind, sind die da auch logischerweise am Ende des Tages unerfolgreich. Dieser gesamt kulturelle Stellenwert ist interessantes Thema, weil der hat sich so 'n, so 'n [00:06:50] bisschen verändert, glaub ich, aber ich hoffe nicht zu sehr. Neben dem Stellenwert ist es das kollektive äh, Wissen über Fußball. Welche Sachen werden weitergegeben? [00:07:00] Welche Konzepte werden genutzt, wenn man über Fußball spricht, wenn man Fußballer trainiert?
Es bringt ja nichts, wenn ich zwei geniale Trainer habe, die äh, perfekte [00:07:10] Fußballausbildung machen könnten, wenn das in der Breite nicht ankommt. Dieses kollektive Wissen zum Beispiel hat sich im deutschen Fußball tatsächlich extrem gewandelt über die letzten zwanzig, [00:07:20] dreißig Da gab's 'nen ganz anderen Informationsschatz, auf den man zurückgegriffen hat vor 30 Jahren als heutzutage, werden wir dann später noch mal genauer drüber sprechen [00:07:30] und dann natürlich die kollektiven Werte, die wahrscheinlich am stärksten auch kulturell geprägt sind und die werden sehr, sehr viel diskutiert.
Von denen hab ich aber ehrlich gesagt das Gefühl, [00:07:40] die haben sich kaum gewandelt. Also Zum Beispiel wird ja den Trainern am, am NLZ schnell mal vorgeworfen, sie würden diese klassischen deutschen Tugenden nicht ausreichend fördern und so weiter und so fort und ich hab das Gefühl, [00:07:50] das stimmt eigentlich gar nicht.
W-wenn ich mir anschaue, wie die Trainer da zum Großteil arbeiten und was für ein Fußball auch in, in zum Beispiel in der U19 Bundesliga gespielt wird, [00:08:00] dann ist das schon äh, sehr erkennbar deutscher Fußball zum Großteil.
Man könnte drüber diskutieren, ob, das nicht vielleicht sogar hier und da sogar 'n [00:08:10] Problem ist denn Deutschland hat traditionell ja keine besonders gute Spielerausbildung.
Wenn man sich anguckt, wer die besten Spieler aller Zeiten sind, dann sind da nich so viele [00:08:20] Deutsche. Deutschland hat traditionell die Fähigkeit, sehr gute Mannschaften herauszubringen, ja. Also wenn du Mannschaftserfolge bei WMs [00:08:30] anschaust, dann is Deutschland direkt hinter Brasilien die Nummer zwei und z-- auch nur knapp hinter Brasilien, in bestimmten Kennwerten sogar die Nummer eins.
Wenn Du Einzelspieler anschaust, [00:08:40] ääh, ist Deutschland nich so herausragend erfolgreich und war ja vor allem um die 2000er sogar katastrophal schlecht. Und ich glaube, da muss man bisschen aufpassen, dass man sich nicht zu [00:08:50] sehr auf früher hat's ja auch geklappt ausruht, weil dieser Faktor des, des kulturellen Stellenwert sich 'n bisschen geändert hat dass nicht mehr ganz so krass viel Straßenfußball gespielt wird. Im Berliner Brennpunkt schon, aber ähm, [00:09:00] nicht überall so. Es gibt schon immer noch extrem viel Kinder, die, die super gerne Fußball spielen, aber die spielen zu 'nem größeren Teil nur im Verein dann [00:09:10] oder primär im Verein und nicht mehr irgendwie jeden Tag draußen, was gerade im Alter unter zehn glaube ich schon sehr, sehr, sehr wichtig ist. Und vor allem Hat sich das im internationalen Vergleich natürlich [00:09:20] dadurch gewandelt, dass glaube ich, viel mehr Länder in der Lage sind, Fußballer in den Profifußball zu entwickeln. Das ist jetzt 'ne steile These von mir, aber ich glaub, es [00:09:30] gibt so'n Sweet Spot für die Entwicklung von, von professionellen Fußballern, der da ist,
dass blöd gesagt, du darfst nicht so arm sein, dass diese Karriere überhaupt [00:09:40] nicht möglich ist. Aber du darfst auch nicht so reich sein, dass du abgelenkt wirst von dieser Karriere, ne? Optimalfall is du spielst deine Jugend [00:09:50] nur Fußball und dann ist das auch die beste Chance, die du hast. So.
Das is perfekt um Fußballer rauszubringen und deswegen kommen aus dem Pariser Banlieue [00:10:00] haufenweise krasse Fußballer.
Optimalfall für deine Erfolge als Fußballnation, meine ich natürlich, ne. Das ist nicht so, dass ich, äh, jetzt dafür plädieren will, dass man solche Zustände [00:10:10] unbedingt so viel wie möglich herstellen soll. Aber es hilft für die eine Sache, nämlich Fußballer zu entwickeln.
Und Ich glaube, deshalb ist der Abstand zwischen reichen und armen Nationen im Fußball geringer geworden, [00:10:20] weil die reichen Nationen, blöd gesagt, in Teilen zu reich geworden sind und die armen Nationen nicht mehr so arm, dass da alles Talent, was die haben, [00:10:30] einfach versickert, so. Aber diese soziologische Faktoren, die sind dann jetzt aus meiner Perspektive dann auch eher ein bisschen spekulativ. Äh, Das wär vielleicht für den einen oder anderen Journalisten hier [00:10:40] und da ein interessantes Thema, um da mal konkret äh, nachzuforschen und auch mal jemanden an der Uni anzurufen, der, der das mal genauer untersucht hat.
Und vor allem muss man bei der [00:10:50] Sache natürlich auch berücksichtigen, dass es nur um Unterschiede zwischen Nationen geht. Viele dieser Sachen, die da häufig angemahnt werden, sind in allen Ländern gleich. Dass die Kinder vor der PlayStation [00:11:00] sitzen, dass die vor TikTok hängen und so weiter und so fort.
Das sind Sachen, die sind ja überall so. Also, ähm, das ist keine besonders gute Ursachenforschung, glaube ich, aber darum [00:11:10] soll's auch nicht primär gehen.
was ich, glaub ich, aus meiner Perspektive sehr, sehr gut beurteilen kann, ist, was die deutsche Fußballkultur ausmacht im Vergleich zu anderen Fußballkulturen , was die inhaltliche Ausrichtung angeht, was die [00:11:20] Werte, was das Wissen angeht, welches weitergegeben wird. Und die Werte, über die wir reden ähm, das klingt jetzt so uneingeschränkt positiv.[00:11:30]
Kollektive Werte heißen ja auch immer, dass irgendwelche anderen Werte 'n bisschen weniger bestehen, ne? Wenn zum Beispiel ein sehr prominenter Wert die Gemeinschaftsorientierung ist, dann ist der [00:11:40] Individualismus vielleicht 'n Wert, der fehlt.
Wenn ein Wert ist, dass ich sehr konstante Lösungen finden will, dann ist der Wert der Risikobereitschaft ein Wert, der fehlt. [00:11:50] Also diese kollektiven Werte sind für mich eher Prioritäten. Welche Prioritäten setzt eine Fußballkultur über andere? Und dementsprechend [00:12:00] ist es auch nicht nur-- Ne, es ist erst mal diese, diese Beschreibung der Fußballkultur ist erstmal wertfrei.
Es sind erst mal alles, was da drin vorkommt, ist per se [00:12:10] erst mal positiv und negativ gleichermaßen. Dennoch ist es glaub ich wichtig das zu verstehen, weil daraus ja sozusagen schlussfoldert womit wir arbeiten im [00:12:20] Fußball.
Was sind denn die Sachen womit wir eh rechnen können was eh funktioniert was herausgestellt wird? Was sind die Stärken die wir wahrscheinlich haben werden und was sind [00:12:30] sachen wo wir vielleicht auch gegensteuern müssen ne also Es geht auch nicht nur darum dieser kultur eins zu eins nachzujagen sondern auch das zu verstehen als stärken schwächen [00:12:40] profil Wo man natürlich auch ein bisschen versuchen kann, hier und da diese Schwächen zu bekämpfen.
Chamäleon
Meine erste und wichtigste These zum deutschen Fußball lautet, dass der deutsche Fußball [00:12:50] kulturell ein Chamäleon ist und auf einem ästhetischen Level keinerlei Präferenzen oder kaum Präferenzen hat [00:13:00] und die herausragende Sache der deutschen Fußballkultur deswegen eine sehr gute Entscheidungsfindung ist.
Basierend darauf, dass der [00:13:10] deutsche Fußball einen sehr, sehr stark ausgeprägten inhärenten Pragmatismus hat und eine Ergebnisorientierung. Ich glaub generell, deutsche Kultur auch aus der Deutschen [00:13:20] Sprache heraus, die Deutsche Sprache ist sehr zielorientiert. Es gibt Untersuchungen, dass wenn man auf Englisch spricht, dann neigt man immer dazu, aktionsorientiert zu sprechen.
Im Deutschen neigt man immer sehr dazu, [00:13:30] zielorientiert zu sprechen und ich glaube, das prägt auch das Denken und das prägt-- Also auf jeden Fall kann man diese Tendenz äh, im Fußball [00:13:40] nachempfinden. Deutschland spielt seit jeher einen sehr direkten Fußball und folgt auch einer sehr direkten pragmatischen ergebnisorientierten Logik.[00:13:50]
Ergebnisse orientierte Logik ist bei uns vielleicht jetzt eher negativ verknüpft weil wir sagen, nee, das ist ja einfach aufs Ergebnis gucken, ist ja irgendwie primitiv. Du musst ja, um kompetent zu [00:14:00] sein, musst du ja schaffen, 'n Spiel zum Beispiel übers Ergebnis hinaus auch zu interpretieren. Aber ich glaube, 'n sehr positiver Nebeneffekt davon ist, dass man sich nicht auf Dinge versteift.
Es [00:14:10] gibt kaum etwas, was in der deutschen Fußballkultur wirklich als ganz, ganz fixes, wichtiges Element verstanden wird, was, was so'n fixen Rahmen [00:14:20] bietet. vergleichst, beispielsweise der brasilianische Fußball, der lebt sehr krass von seiner Ästhetik, von dem Spektakel vom [00:14:30] risikobereiten individuellen Zauberer so.
Das wird dort auch geliebt. Niemand wird in Brasilien kritisiert, weil er zu viel Risiko geht. Sobald ihm das mal gelingt, wird [00:14:40] ihm dafür applaudiert. In Deutschland hast Du schnell dieses okay, das ist brotlose Kunst. Wenn's mal nicht funktioniert, wenn's zu selten funktioniert, wird das schnell abgewatscht als das ist nicht, das führt [00:14:50] nicht zum Ergebnis, deswegen ist es schlecht.
' ne sehr gute Defensive hat einen inhärenten Wert in Italien ist in Deutschland, wenn du nur hinten drin stehst, vorne zustande kriegst, ist es einfach [00:15:00] Angsthasenfußball. England zum Beispiel hat einen sehr großen kulturellen Fokus auf Flanken und auf Kopfbälle, auf Flügelspiel generell. Ich hatte mal in einem Seminar nen Engländer, der hat [00:15:10] nicht verstanden, dass als ich über Dribbler geredet hab, dass ich auch 'nen zentralen Spieler meinen könnte.
Das hat für ihn keinen, dat in seinem Kopf keinen Sinn gemacht, weil für ihm Dribbler aufm Flügel agieren, damit [00:15:20] die dann Flanken schlagen können. So schießt du Tore im Kopf des Engländers und solche Sachen, ne.
Und es gibt auch Deutsche, die genau das Gleiche im Kopf haben. Es geben alle diese Sachen gibt's [00:15:30] auch. Das ist ja generell son Ding. Es gibt Engländer, die 'ne spanische Mentalität haben. Es gibt Deutsche, die eine brasilianische Mentalität haben und so weiter und so fort.
Aber in der Breite in der Summe was ist [00:15:40] häufig, sind eben diese Tendenzen da. Und in, in Deutschland kannst du dir nur so viele Flanken erlauben, die dann nicht funktionieren, bis dann irgendwann mal gesagt wird, „Lass doch mal dieses dämliche Flanken".
In [00:15:50] Spanien hast du 'n sehr krassen inhärenten Wert auf Ballkontrolle und Passspiel. Solange du in der Lage bist, den Ball zu kontrollieren, in deinen eigenen Reihen zu halten, saubere Pässe zu spielen, [00:16:00] einen sauberen Ballbesitz zu spielen, fühlst du dich erst mal gut. In Deutschland wirst du schnell ungeduldig.
In Deutschland ist ganz schnell der Punkt erreicht, wo man sagt, das ist alles brotlos, wir spielen nur hinten rum. [00:16:10] Wann kommen wir mal zum Tor? Wann erzielen wir mal 'n Ergebnis? So. Den deutschen Fußball prägt eine gewisse Ungeduld, ne. Diese Direktheit, von der ich vorher gesprochen hab, die mündet auch in einer [00:16:20] gewissen Ungeduld
All diese Aspekte, die ich genannt hab, werden aber in Deutschland sofort akzeptiert und applaudiert, [00:16:30] wenn sie effektiv sind, wenn sie funktionieren. Deshalb ist der deutsche Fußball meines Erachtens in gewisser Weise ein Chamäleon, weil er in der Lage ist [00:16:40] zu verändern, was er sein will gemäß dessen, was gerade funktioniert.
Und von 'nem Spieler wird auch erwartet, dass er in einer Situation in [00:16:50] der Lage ist zu erkennen, was ist grade angemessen? Was is hier gerade gut? Und es ist eigentlich weniger ausgeprägt als in anderen Ländern, dass in bestimmten Situationen bestimmte [00:17:00] Dinge erwartet werden, ne.
Der Ball ist am Flügel, dann flankt den auf jeden Fall rein. Äh, Der Ball ist beim Innenverteidiger, dann schlag doch einen langen Ball auf den Stürmer. Es gibt sehr viele Klischees in dieser [00:17:10] Hinsicht: Langholz bringt Sicherheit bla bla bla.
Ich bin aber der Meinung, dass das in der Breite bei Trainern und Spielern Im deutschen Fußball nicht so prägend ist im [00:17:20] Profifußball mittlerweile oder in den, in dem professionellen, in den NLZs und so noch viel weniger.
Es gibt 'ne gewisse Risikoaversion im deutschen Fußball. Die gibt es aber in [00:17:30] den meisten äh, Fußballkulturen tatsächlich, weil Risikoaversion 'ne normale menschliche psychologische Schwäche ist. Das, das hat gar [00:17:40] nicht so viel mit Fußballkultur zu tun, sondern ist einfach menschliche Psychologie.
Passenderweise dazu das Mentalitätsthema. Das ist ja wirklich 'n Lieblingsthema der Deutschen die Mentalität. Das [00:17:50] Lustige ist, dass nie definiert wird, was diese Mentalität ist und sie bemisst sich einfach auch nur am Ergebnis, ne? Alles, was man bei einer, von einer starken Mentalität erwarten würde [00:18:00] hat Joshua Kimmich tendenziell bis zum Anschlag.
Trotzdem wird der dafür jetzt nicht so wahnsinnig viel gefeiert, weil der eben nicht erfolgreich war mit der deutschen [00:18:10] Nationalmannschaft. Und bei Bastian Schweinsteiger wars umgekehrt. Wenn du den reden hörst, wenn du den spielen gesehen hast als junger Spieler, er sah ja bei weitem nich aus wie 'n Mentalitätsspieler, dann hat er einmal die WM [00:18:20] gewonnen, dabei ihm Kopf geblutet, jetz is er der Leader. Des heißt selbst in puncto Mentalität selber ist der deutsche Fußball ein Chamäleon. Es ist nicht definiert, was man [00:18:30] braucht. Das hats vielleicht in andern Kulturen, dass auch gesagt wird, du musst auch ma ein Umgrätschen. Hast du im Deutschen nich so. Da gibt's viele Fair Play Fanatiker, die da dagegen sind. In der italienischen Kultur ist es [00:18:40] bestimmt viel gängiger, dass man sagt: „Ja, wenn du vorne liegst, dann mach doch ein bisschen Zeitspiel." Das gehört auch dazu, dass du clever bist, dass du dann weißt, wie du das Spiel gewinnst. Gibt's auch in Deutschland ganz viele, denen das [00:18:50] zuwider ist, die sagen: „Nee, so spielt man nicht.
Das ist unfair, das ist scheiße, das mag ich nicht, lass das.“ es gibt wenig Fixes, was diese Siegermentalität sein soll. Die [00:19:00] Siegermentalität ist am Ende die Mentalität, die zum Sieg führt. Also ist eigentlich die ganze Zeit nur die Frage: Was muss man denn machen, um zu gewinnen?
Entscheidungsfindung
Und das sind Entscheidungen, ne. Am Ende geht's immer um [00:19:10] Entscheidungen. Am Ende geht's darum, einfach das zu tun, was das Spiel von dir verlangt und die richtige Entscheidung in der richtigen Situation zu treffen. Das ist so ein allgemeines [00:19:20] Ding, dass es kein Wunder ist, dass die größten deutschen Fußballer typischerweise sehr komplette Fußballer sind.
Deutschland hat wenige Fußballer [00:19:30] hervorgebracht, die extrem auf 'ne bestimmte Rolle fokussiert waren. Denken wir an so jemanden wie Roberto Carlos. So ganz klar linke Schiene hoch, runter, Schüsse [00:19:40] flanken, ab dafür. Denken wir an diverse Kopfballstürmer, die auf der Welt rumgelaufen sind. Denken an den typischen Nemanja Vidić Verteidiger, der, [00:19:50] der einfach nur groß ist und hinten alles abräumt.
Es gibt Leute in Deutschland, die so was immer wollen und die so was auch zelebrieren, wenn's da ist und so. Es ist aber nicht so prägend für die [00:20:00] deutsche Fußballkultur tatsächlich. Wenn wir auf die größten deutschen Fußballer gucken, dann haben wir einen super kompletten Philipp Lahm, 'nen, 'nen extrem risikobereiten spielstarken [00:20:10] Manuel Neuer, 'nen sehr risikobereiten, sehr aktiven, vorwärtsdenkenden Verteidiger in Matthias Sammer, ähnliches Franz Beckenbauer, 'nen, 'nen Spielmacher aus der Abwehr [00:20:20] heraus.
Wir haben den Lothar Matthäus, der kompletter Mittelfeld Allrounder war, später dann auch Abwehr gespielt hat. Also du hast ganz viele sehr, sehr spielstarke Defensivspieler. Das ist [00:20:30] eigentlich die, die Spieler Kategorie, wo Deutschland wahrscheinlich am allerherausragendsten ist auf, auf der Welt. Defensiv und spielstark. Diese Kombination. [00:20:40] Da kann glaube ich kaum eine Nation in der Welt mithalten in der Breite so. In jüngster Vergangenheit Kimmich, Hummels, dann so Spieler wie Schlotterbeck
[00:20:50] Und auch Florian Wirtz zum Beispiel ist für mich ein typisch deutscher Spieler, weil er eben nicht der Überathlet ist, nicht der über Techniker ist, sondern athletisch technisch [00:21:00] sehr hohes Niveau, aber vor allem unglaublich gutes Spielverständnis, unglaublich gute Entscheidungen. Kann überall auf dem Platz agieren, der kann überall hinlaufen.
Ich habe jetzt die Tage erst gesehen, wie er, wie er 'n Tor [00:21:10] eingeleitet hat, quasi von einer rechten Innenverteidigerposition. Normalerweise kippt er auf Linksverteidiger ab, kippt er von links auf die Sechs, ist überall. So, es ist ein Spieler, der ist überall und der bewegt [00:21:20] sich sehr, sehr intelligent. Ja mit Thomas Müller hat man ja sogar einen, der, der's regelrecht zur Kunstform erhoben hat, einfach nur über das richtige Machen und die richtige [00:21:30] Bewegung ähm, einfach 'n Spitzenfußballer zu werden. Das ist was, das hat keine andere Nation Keine, Keine andere Nation hat einen Thomas Müller und
das ist ein Resultat der deutschen [00:21:40] Fußballkultur, dass man bei einem Thomas Müller halt auch sagt, dass der FC Bayern nicht irgendwann gesagt hat „Ja, der Müller guck mal, der ist nicht so schnell". Der ist natürlich, der macht seine zwölf Tore [00:21:50] diese Saison und seine fünfzehn Vorlagen, aber äh, der kann nicht superkrass flanken, der kann nicht das, der kann nicht dies, der ist kein Dribbler.
Lass doch lieber [00:22:00] noch irgendein Brasilianer für die Flügelposition holen oder sowas", sondern dass man einfach gesagt hat nee, der funktioniert halt so, der macht halt das Richtige, lass ihn spielen, mach den [00:22:10] zum Kapitän, bau ihm ein Denkmal. Das ist extrem deutsch, finde ich. Und das ist für mich das äh, die positivste Art und die positivste [00:22:20] Interpretation von deutschem Fußball
und umgekehrt gibt's in der deutschen Fußballgeschichte kaum Spieler, die die großen [00:22:30] herausragenden Individualisten sind, denen es tendenziell in der Entscheidungsfindung mangelt. Es gibt kaum inkonstante Spieler. Es gibt überhaupt zum Beispiel kaum herausragende Flügelstürmer [00:22:40] in der Geschichte des Deutschen Fußballs.
Die haben dann fast immer auch irgendwie so 'n bisschen Zehner, so 'n bisschen Achter gespielt. Die deutsche Fußballkultur hat eigentlich, keinen [00:22:50] Robben, hat keinen Cristiano Ronaldo, Hat keinen Ryan Giggs, sondern wenn Flügel, dann sind's immer so ganz laufstarke defensiv [00:23:00] starke Spieler, die dann darüber hinaus auch noch gute Flanken haben, ne. So 'n Andi so 'n Philipp Lahm. Nie die klassischen Flügelstürmer. 2014 ist man Weltmeister geworden in dem vier [00:23:10] drei drei Flügelstürmer Mesut Özil und Zehner Thomas Müller und Zehner Stürmer Mario Götze und Zehner Und alle von denen auch so dass die unterschiedliche [00:23:20] Positionen spielen können.
Also du hast 'ne... Du hast 'nen krassen Fokus auf komplette Fußballer mit 'ner sehr guten Entscheidungsfindung. Ähm
Direktheit
der zweite Teil der deutschen [00:23:30] Mentalität, den finde ich sehr, sehr prägend. Es ist 'ne Direktheit zum Tor, eine Ungeduld. Deutschland hat immer einen großen Fokus aufs Zentrum, der glaube ich einfach [00:23:40] psychologisch daraus resultiert, dass man denkt: „Okay, wir wollen direkt zum Tor".
Der direkte Weg ist durchs Zentrum, dann spielen wir durchs Zentrum. Fast alle anderen Nationen haben einen [00:23:50] größeren Fokus auf die Flügel im Deutschen ist immer Flügel, die müssen gut verteidigt werden und da kann man mal rausspielen, um dann eine Flanke zu bringen, aber den Ball lange am Flügel halten, ist immer total [00:24:00] kontraintuitiv für deutsche Mannschaften. Normalerweise, wenn du, wenn du englische Mannschaften, spanische Mannschaften guckst, wenn der Ball zum Flügel geht, wird er erst mal ein bisschen gehalten, wird ein bisschen ruhig gemacht, wird ein Rückpass [00:24:10] gespielt. Beim, im, im deutschen Fußball ist es mittlerweile auch teilweise so, aber viel häufiger direkt Dribbling ins Zentrum, direkt Durchbruch zur, zur Grundlinie, [00:24:20] direkten Ball in die Tiefe auch, ne.
Dieses Außenverteidiger anspielen, der spielt einen Flugball auf einen Stürmer, der dann so nach außen rennt. Das hat man immer noch viel. Ähm, Also immer wieder [00:24:30] direkte Ideen, ungeduldige einem ähnlichen Grund heraus glaub ich, stehen zum Beispiel die deutschen Medien und Fans häufig so ein bisschen auf dem Kriegsfuß mit Positionsspiel, mit [00:24:40] klassischem Guardiola-Positionsspiel siebzig, achtzig Prozent Ballbesitz, weil das ein sehr geduldiger Fußball ist, weil das ein sehr indirekter Fußball ist, weil du sehr, sehr viele Aktionen hast, die [00:24:50] erstmal wenig Effekt haben.
Und das ist psychologisch einfach für die deutsche Fußballkultur schwer zu akzeptieren und es ist kein [00:25:00] Zufall, dass sich in Deutschland deshalb auch ein viel direkterer Stil im Positionsspiel entwickelt hat. Nagelsmann, nicht umsonst, hat meistens nur vier Spieler [00:25:10] Absicherung, wo ein Guardiola sagt: "Ich brauche fünf."
Hansi Flick, nicht umsonst lässt einen Fußball spielen, der teilweise einfach crazy ist, wo einfach die Bälle vorne [00:25:20] reingeballert werden, ne. Der braucht immer, Hansi Flick braucht immer seinen Lewandowski vorne drin, den du in jeder Situation anspielen kannst, weil dort würde der Ball reingehaun und dann geht's von da ab.
Und Hansi [00:25:30] flick hat immer die Winger, die tief gehen und nicht die Winger, die breit stehen und auf den Ball in den Fuß warten. Und in den 2010ern, als der Fußballwelt auf sehr brutale Art und Weise [00:25:40] demonstriert wurde, dass dieser Ballbesitzfußball eben sehr, sehr gut funktioniert, sehr, sehr erfolgreich sein kann. Jetzt Spanien hat es auch wieder zweimal sehr, sehr gut demonstriert. Da war das, was in [00:25:50] Deutschland immer diskutiert wurde, war, dass wir eine deutsche Version dieses Ballbesitzfußballs brauchen, der nach vorne gerichtet ist, der vertikal ist.
Und [00:26:00] das haben wir auch gekriegt. Das haben die Trainer auch entwickelt und das hat teilweise auch sehr, sehr gut funktioniert. Aber das ist ein Fußball, der würde ich sagen, der hat einen höheren [00:26:10] Peak. Wenn wir uns angucken, was Bayern unter Flick in der ersten Halbsaison da gespielt hat, das ist kaum zu toppen.[00:26:20]
Auch jetzt hat ja Bayern auch wieder geschafft, einen direkteren, aggressiveren, offensiveren Ballbesitzfußball zu etablieren und wir sehen dieses fünf vier gegen Paris. [00:26:30] Wir hatten damals bei Flick dieses, was war das am Ende? Ein acht zu zwei glaube ich, gegen Barcelona. So ein acht zu zwei gegen [00:26:40] Barcelona zu gewinnen, das ist völlig absurd.
Das ist völlig absurd, dass das jemand hinkriegt. Also das ist [00:26:50] offensichtlich haben die da einen unglaublich guten Fußball gespielt, aber das ist ein Fußball, der noch schwerer zu spielen ist als der der Spanier. Die [00:27:00] Spanier spielen einen Ballbesitzfußball, der ist einfach einfacher so. Für den spanischen Ballbesitzfußball brauchst du keinen Lewandowski vorne drin.
Da reicht ein Oyarzábal. [00:27:10] Ja, also ein ganz guter Stürmer reicht dafür. Im Zweifel, anstatt anzugreifen, machen sie's sich einfach und sind dann geduldig und sagen: „Auf lange Sicht wird das schon passen" [00:27:20] ähm, wo der Deutsche halt ungeduldig wird
so einen direkten Ballbesitzfußball spielen willst und der naturgemäß sehr, sehr schwer ist, zwei Möglichkeiten: [00:27:30] Entweder du hast unglaublich gute Spieler, die das unfassbar gut spielen. Bei Bayern unter Flick war es so in den besten Phasen haben die [00:27:40] quasi, obwohl die die ganze Zeit attackiert haben, kaum 'n Ball verloren.
Die haben andauernd den Ball Lewandowski in die Füße geballert da hinten. Die haben die schwierigsten Pässe versucht, die haben trotzdem kaum 'nen Ball [00:27:50] mal irgendwo im Mittelfeld verloren, sondern eigentlich fast immer irgendwo in der gegnerischen Abwehr, wo er leicht zu Gegenpressen war.
Also das hat sehr gut harmoniert, weil die die [00:28:00] wesentlichen Fähigkeiten auf so einem hohen Niveau hatten, dass die das machen konnten.
Haben die meisten Mannschaften nicht. Die meisten Mannschaften haben keinen Thiago, die meistens Mannschaften haben kein Kimmich, haben keinen Lewandowski oder zumindest fehlt [00:28:10] eins von diesen drei Dingen. So. Und es muss nur, es muss nur einer von den drei fehlen, damit du das nicht mehr so spielen kannst. Und dann brauchst [00:28:20] du erstens 'ne Bereitschaft, Risikobälle zu spielen und zweitens 'n sehr, sehr gutes Gegenpressing mit ausreichend Absicherung. grundsätzlichen [00:28:30] spielerischen Philosophie hast du die Luxus Edel Version, wo einfach immer alles klappt, weil die Spieler so unfassbar gut sind und dann nehmen sie den Gegner komplett auseinander. [00:28:40] Und du hast die Version: Wir sind nicht ultragut, wir sind nicht auf jeder Position überlegen, wir haben nicht fünf Spieler auf dem Feld, die machen können, was sie wollen.
Deswegen müssen wir gezielt Risiken gehen und die [00:28:50] müssen wir sehr gut absichern und müssen dann sehr gut umschalten. Das sind die beiden Versionen, die du hast. Und das ist glaube ich, das Problem der Nationalmannschaft war, dass der Kader in den letzten [00:29:00] Jahren nie gut genug war, diese erste Version zu spielen, was man aber trotzdem versucht hat.
So deswegen gab es auch immer mal wieder einzelne Phasen, wo es dann [00:29:10] extrem gut aussah. Bei Nagelsmann ist immer das Slowakei Spiel zum Beispiel so interessant, wo das dann mal lief, wo Woltemade guten Tag hat, Wirtz guten Tag hat, [00:29:20] Sané guten Tag hat, alle einen guten Tach haben und schon zack, zack, zack nimmst du den Gegner komplett auseinander.
Aber dann in der Breite hast [00:29:30] du immer wieder Situationen gehabt. Du hast in dem Paraguay Spiel hast du 'nen Rüdiger, der auf links spielt, der von links den Spielaufbau nicht gut hinbekommt, der eigentlich auf [00:29:40] rechts muss für den Spielaufbau. Dann hast du 'nen Sané, der keine Bälle vorne reinkriegt. Du hast 'n Nmecha, der nicht genug Bewegung reinbringt. Hast 'n Musiala, der nich in Topform ist und [00:29:50] halt nicht jeden Ball durchbringt wie Lewandowski, sondern halt öfter mal hängen bleibt.
Und du hast dann aber gleichzeitig nicht genug Spieler hinterm Ball und bist nicht ag-aggressiv genug im Gegenpressing, [00:30:00] um das zu kompensieren. Du bist dann nicht gut genug in der, in der zweiten Version dieses Fußballs, weil du eigentlich versucht hast, die erste Version zu spielen. Im Grunde kann man sagen, die [00:30:10] letzten Turniere hat Deutschland immer probiert nicht irgendwie Weltmeister zu werden, sondern die haben immer versucht, das Turnier wegzurasieren so.
Es war immer extrem ambitioniert [00:30:20] und diese extreme Ambition ist m-meines Erachtens langfristig was sehr, sehr, sehr Gutes, aber eben [00:30:30] kurzfristig schwer umzusetzen. Deswegen, ich glaube schon, dass, der Fußball, an den man da grundsätzlich denkt geht schon in die richtige Richtung
Aber man braucht 'n paar, man muss den 'n bisschen [00:30:40] weiterdenken und muss den, muss 'n bisschen bewusster sein
Ingenieure
und dann glaub ich, dass in gewisser Weise der deutsche Trainer nicht [00:30:50] zum deutschen Spieler passt mehr. Also diese Änderung, die sich vollzogen hat in den letzten ähm, 20 [00:31:00] Jahren, wie deutsche Trainer agieren, da muss man ja sagen, da gab's wirklich 'ne großen Umschwung.
Das ging extrem in die Richtung, dass Trainer immer stärker Ingenieure geworden [00:31:10] sind. Ich weiß gar nicht, ob das mittlerweile außerhalb, außerhalb unserer Bubble auch schon geflügeltes Wort geworden ist, aber bei uns ist i-in einer gewissen Weise der [00:31:20] deutsche Ingenieursfußball ein bisschen in Verruf, weil sehr viele deutsche Trainer sehr, sehr ingeniersmäßig denken und ähm, ne, auch da sind Kultur und [00:31:30] Fußballkultur wieder eng miteinander verbunden.
Das ist ja kein Zufall, ne. Der Deutsche äh, hat immer so 'n bisschen eine Neigung zu, zu 'ner leichten Zwanghaftigkeit, will alles, will Dinge präzise machen, will Dinge [00:31:40] geplant machen will äh, Dinge optimalerweise voraussetzen können, will keine Unsicherheit haben und will möglichst 'ne, 'ne unzerstörbare Maschine, von der man weiß, die wird Ergebnisse [00:31:50] bringen, so.
Auch hier wieder diese Direktheit und Ergebnisfokussierung. Ähm, Und deutsche Trainer neigen dazu, dass sie versuchen, Maschinen zu [00:32:00] bauen. Das war früher nicht so. Das war früher nicht so, glaube ich primär deshalb, weil man nicht wusste wie, ne. Es gibt schon lange [00:32:10] diesen, diesen Cruyff-Spruch, einfachen Fußball spielen ist am schwierigsten. Und das ist auch was, was deutsche Trainer schon immer, glaub ich, gerne wollten. Deutsche Trainer haben immer gerne schon eingefordert: „Ja spiel doch den einfachen [00:32:20] Pass, spiel doch den einfachen Ball" und so weiter und so fort.
Da sind wir wieder beim Thema Entscheidungsfindung. Das wollten die schon immer, konnten's aber nie, hatten nie 'n Tool, womit sie [00:32:30] das so richtig planvoll umsetzen konnten. Und diese, Positionsstruktur, diese Strukturpläne, dass man sich überlegt, okay, wenn wir so stehen und dann macht der den und dann macht [00:32:40] der den und dann läuft der dahin, dann ist der genau frei, dann können wir ihn anspielen und dann kann der den schicken und dann sind wir durch und schießen Tor.
dieses Planen über den positionell [00:32:50] strukturellen Plan gibt den deutschen Trainern etwas an die Hand, der sie befähigt, das umzusetzen, was sie, glaub ich, schon immer machen wollten, nämlich so ne [00:33:00] Offensivmaschinerie zu kreieren. Und es ist nicht das richtige Tool für deutsche Fußballer.
Es nutzt nicht das, was deutsche Fußballer [00:33:10] auszeichnet, was deutsche Fußballkultur auszeichnet: Entscheidungsfindung. Denn die Entscheidungen, die nimmt man den Spielern ab, so. Der Trainer, der den [00:33:20] ganz genau geplanten Offensivplan mit der ganz präzise ausgeklügelten Struktur und schon den [00:33:30] dazugehörigen Entscheidungen. Und wenn die das machen, dann laufen wir dahin. Und wenn die dies freilassen, dann spielen wir dahin und dann muss der raus und dann geht der Raum auf und dann...
So. Das so [00:33:40] zu durchdenken, das informiert einen darüber ganz gut, wie das Spiel funktioniert. Das gibt einem 'ne vage Vor-- keine genaue, das ist wichtig. Es gibt eben [00:33:50] keine genaue Vorhersage, was im Spiel passiert, sondern nur eine vage Vorhersage, was im Spiel passiert. Und sehr viele Trainer handeln so, als wär's 'ne genaue Vorhersage.
Und [00:34:00] wenn du die Spieler nach so einem Plan agieren lässt, dann ist die Aufgabe des Spielers nicht mehr entscheiden. Dann ist die Aufgabe des Spielers, [00:34:10] die Situation zu erkennen, zu wissen, was deine Anweisung ist und die auszuführen. Also Spieler werden in, in viel größerem Maße zu [00:34:20] Ausführenden und die, die Ausführungsqualität der Spieler wird dadurch sehr viel wichtiger.
Die Entscheidungsfindung nicht. Ausführungsqualität ist aber was, [00:34:30] was der deutsche Fußball noch nie besonders gefördert hat. Die großen Edeltechniker sind tendenziell keine deutschen Spieler und sind's auch immer noch nich. Währenddessen sind deutsche Spieler sehr, sehr [00:34:40] gute Entscheider, denen dann hier ihre Entscheidung abgenommen wird
Aktivität
Und dazu komt der Faktor Laufstärke beziehungsweise Aktivität. Ich glaube, was auch 'ne logische [00:34:50] Schlussfolgerung ist, dieses „Wir machen alles, was funktioniert", ist, dass du halt sagst: „Okay, wir machen halt mehr." Also wenn, wenn irgendwas gut ist, dann machen wir davon halt so viel wie geht äh, [00:35:00] weil ist ja logisch, dass das dann besser ist.
Deswegen Laufen ist gut, dann laufen wir mehr. Ich hab jetzt erst die Statistik gesehen. Ich zweifel wirklich an, ob diese Statistik valide ist oder ob [00:35:10] die Daten in den Ligen anders erhoben werden, aber nach dieser Statistik, die ich jetzt gesehen habe, letzte Saison die Bundesliga hat immer noch mit am Abstand die höchsten Laufwerte von allen [00:35:20] Top Fünf Ligen.
Der Durchschnitt der anderen Top Fünf Ligen, die laufstärksten Mannschaften wären in der Bundesliga so Platz vierzehn, fünfzehn. Ja? Also [00:35:30] zwei Drittel der Liga läuft mehr als die Topmannschaften aus den anderen Ligen. Das ist immer noch der Unterschied, wenn die Statistik stimmt.
Hab ich konnt's leider nicht nachprüfen, aber ich vermute, die [00:35:40] Ungenauigkeit wird nicht so dramatisch sein und es ergibt durchaus Sinn so und es is auch das, was du siehst auf dem Feld, dass, dass deutsche Trainer, deutsche Mannschaften immer noch dazu neigen, sehr laufintensiven Fußball zu [00:35:50] spielen.
Zuletzt hab ich auch 'n Bild gesehen, wie Florian Wirtz bei Liverpool sind alle zehn Kilometer gelaufen, Florian Wirtz zwölf Komma drei. So, also selbst der, der deutsche Edelfußballer ist einfach [00:36:00] noch der Laufstärkste in seiner Mannschaft. So, das ist, das ist Fußballkultur.
Das ist nich nur 'n Zufall. Und es ist nicht nur Laufstärke im Sinne von Meter machen. Es ist auch [00:36:10] 'ne, 'ne Stärke in puncto aktiv sein, immer wieder Sprints in die Tiefe anbieten, immer wieder, generell immer wieder was anbieten und eben [00:36:20] auch dieses defensive Umschalten, wo, wo deutsche Mannschaften ja eigentlich auch zum Großteil sehr, sehr gut drin sind.
Und diese Aktivität und Laufstärke, [00:36:30] die wird ebenfalls von diesem deutschen Ingenieursfußball quasi nicht genutzt, weil die Idee ja ist sehr häufig, dass jemand auf einen bestimmten [00:36:40] Moment wartet. Du musst ja in 'nem bestimmten Moment 'ne bestimmte Position besetzen, damit diese Strukturpläne, da-damit die funktionieren. Und das ist natürlich erstens [00:36:50] total einschränkend und zweitens führt es dazu, dass der Spieler, der diese Position spielt, der muss Geduld haben, der muss geduldig sein.
Das heißt , da auch der Spieler [00:37:00] natürlich in der deutschen Fußballkultur dazu neigt, ein bisschen ungeduldig zu sein, geht das gegen die Spielpsychologie von vielen Spielern und deswegen ist es häufig so, dass wenn du [00:37:10] in Deutschland 'nen, 'nen... Wenn der Positionsplan nach vorne nicht greift, wenn du keine Chancen rausspielst, Spieler häufig ungeduldig, werden auch Fans häufig ungeduldig.
So dieses [00:37:20] Handballspiel: Spanien kann 70 Minuten lang keine Chance rausspielen, kann gegen Argentinien in die Verlängerung gehen und unruhig so. Die bleiben komplett in [00:37:30] ihrer Spielweise und ziehen das durch, weil die wissen, das ist halt so, wie wir spielen. Solange wir den Ball haben, können wir das Spiel gewinnen, dann versuchen wir das Spiel zu gewinnen.
Und bei Deutschland hast du immer schon das Gefühl, [00:37:40] wenn wir den Ball haben, wenn wir das Spiel kontrollieren, dann müssen wir auch Chancen kriegen, dann müssen wir auch 1:0 führen. Wenn wir das Spiel kontrollieren, dominant sind und zur Halbzeit steht's 0:0 oder wir liegen sogar hinten, [00:37:50] dann müssen wir doch irgendwas ändern.
Wir müssen doch irgendwas machen. So, das ist, ne? Das Ergebnis bestimmt die Psychologie. Wenn das Ergebnis nicht stimmt, stimmt irgendwas nicht. Wir müssen irgendwas verändern, wir [00:38:00] müssen irgendwas machen. Und das funktioniert nicht, wenn du mit einem bestimmten Positionsplan rangehst und das sozusagen die Grundlage deines Erfolgs [00:38:10] diese Ingenieursherangehensweise an Ballbesitzfußball ist aus 'ner strategischen Sicht nicht, nicht falsch, Aber in der Art und Weise, wie das gerade umgesetzt wird, geht das gegen [00:38:20] die Psychologie des deutschen Fußballs und geht auch gegen die meisten Spielerprofile, die du hast. Weil Viele Spiele, die entwickelt werden, leben ja davon, sich zu bewegen. So. ich behaupte [00:38:30] achtzig Prozent, vielleicht sind's fünfzig, keine Ahnung, aber es sind auf jeden Fall viele aktuelle NLZ Trainer. Wenn die Mesut Özil im Kader haben, wie nutzen die [00:38:40] den?
Das ist 'n Linksfuß, der kann andribbeln, der kann Steckpässe spielen. Die packen den in rechten Halbraum, rechte Zehn, der soll da in der Pocket, soll da warten, bis er da den Ball kriegt, dann kann er andribbeln und seine Steckpässe [00:38:50] spielen. Wie hat Mesut Özil tatsächlich seiner Karriere gespielt? Der ist überall rumgelaufen.
Der ist mal nach rechts auf dem Flügel, mal nach links auf dem Flügel. Der hat überall geguckt, wo ist ein Raum, wo kann ich [00:39:00] den Ball kriegen? Hat dort versucht, einen Ball zu bekommen, Steckpass zu spielen. Also 'n viel, 'ne viel vielseitigere und schwierigere, aber auch größere [00:39:10] Spielweise, die halt natürlich viel weniger planbar ist.
Du kannst viel weniger, wenn du sagst: „Okay, wir haben ja zwischen den Linien, der, der rennt halt überall rum“, dann weißt du nicht, wo er ist. Dann kannst du basierend auch keine [00:39:20] Positionspläne machen oder nicht in der gleichen Weise, sondern musst das deutlich vager und abstrakter denken.
Kannst es nicht so durch ähm, engineeren. was ist denn das Verb von, von Ingenieur auf Deutsch? [00:39:30] Keine Ahnung. Durchplanen. Ähm Mesut Özil wäre ein anderer Fußballer geworden, wenn er so eingesetzt worden wäre. Und ich weiß nicht, ob Mesut Özil in der Lage gewesen [00:39:40] wäre, im WM-Finale 2014 spontan einen Achter zu spielen.
Einer meiner Lieblingsschlenker der deutschen Fußballkultur, Gibt 'n Spielverlagerung-Artikel, da- dafür könnt ihr leicht [00:39:50] ergoogeln.
Dass Mesut Özil, als Kramer seine Gehirnerschütterung hatte im WM-Finale 2014 und Deutschland nicht vier zwei drei eins gespielt haben, wie viele dachten. Sonst hätte Kramer ja auch [00:40:00] nich gespielt, sondern wahrscheinlich Götze. Nee, es brauchte ja 'n Achter noch neben, neben Kroos. Dieser Achter war Kramer und als Kramer raus war, hat man auch nich umgestellt, sondern man ist beim vier drei drei geblieben und Mesut [00:40:10] Özil hat dann Achter gespielt.
Schürrle kam rein für ihn für links. und Mesut Özil hat zum Beispiel in einer entscheidenden Situation Lionel Messi weggegrätscht als Achter. Und Mesut [00:40:20] Özil hat einfach aus'm Stand 'nen vollwertigen Achter gespielt. Er hat 'n gutes Spiel gemacht. Der war offensiv sehr, sehr rumtriebig, aber defensiv sein, seinen Job gemacht.
[00:40:30] Und wenn der sein Leben lang einfach nur da im Raum gestanden hätte und auf den richtigen Moment gewartet, also man kann leicht abstrahieren, dass der bestimmt viele, viele Fähigkeiten einfach generell nicht bekommen hätte. Der hätte [00:40:40] wahrscheinlich auch weniger Bälle bekommen, was natürlich auch nicht gut ist für deine Entwicklung.
Und, und er hätte, der wäre wahrscheinlich ein schwächerer Fußballer geworden, auch wenn der auf, auf Kurzstrecke so, wenn du [00:40:50] jetzt, wenn du morgen hingehst zu 'ner Mannschaft und sagst: „Okay, Mesut, wart mal in dem Raum und wir versuchen immer, den Ball für dich in den Raum zu bringen", dann kann das kurzfristig dazu führen, dass er besser [00:41:00] funktioniert, dass er mehr Output hat, dass insgesamt die Mannschaft als Gefüge auch besser funktioniert, weil die Rollen besser definiert sind, weil du in bessere Strukturen reinkommst.
das ist keine dumme Idee so, das kann schon nützlich sein, [00:41:10] das kann schon helfen, aber es hilft dem Spieler langfristig nich.
Konstellationen
Und es ist, wie gesagt, 'n bisschen gegen diese, diese deutsche Idee der hohen Aktivität, der hohen Laufstärke und der [00:41:20] Entscheidungsfindung des Spielers
Und ich glaube schon, dass man da Spielern, die das Potenzial haben sehr, sehr komplette und sehr, sehr kluge Fußballspieler zu werden, dass man die in [00:41:30] ihrer Entwicklung durchaus beschneidet, wenn man sie auf bestimmte Positionen- oder Positionsmuster festlegt. Gleichzeitig bin ich nicht [00:41:40] dagegen grundsätzlich auch strukturell zu arbeiten und 'ner Mannschaft, eine gute Struktur mit an die Hand zu geben.
Aber es muss klar sein für den Trainer und für die [00:41:50] Spieler, dass das ein Rahmen ist. Das ist ein Rahmen, der vage beschreibt: Wie sind die Rollen? Wie sind die Verhältnisse zwischen den Spielern? Wo ist wer? Wo muss ich gucken und so? Wie [00:42:00] kann ich mich auf dem Feld orientieren? Das führt dazu, dass es nicht zu chaotisch wird, dass nicht zu viel Mist passiert, dass du genug Konstanz in deiner Aktion hast, dass sich das auch alles lohnt, Und grundsätzlich ist es auch so, dass [00:42:10] mal warten, mal geduldig sein und, 'nen Seitenwechsel abwarten, anstatt immer zum Ball zu laufen, ist auch 'ne wichtige Fähigkeit im Fußball so, das muss man auch lernen. Aber es sollte nicht so [00:42:20] weit gehen, dass der Spieler keine Entscheidung mehr treffen muss und dass der Spieler nicht mehr selber handelt.
An der Stelle passt ganz gut der Verweis auf ein Buch, was ich gerade geschenkt [00:42:30] bekommen habe
Der Autor heißt Hartmut Rosa und das Buch heißt Situation und Konstellationen
es geht gesamtgesellschaftlich darum, dass [00:42:40] das viel mehr Regeln existieren und man sich viel mehr an diese Regeln halten muss und entlang dieser Regeln handeln, anstatt selbstständig zu handeln letzten [00:42:50] Endes.
Und er unterscheidet zwischen der Situation, in der der Mensch nach eigener Bewertung irgendwie aktiv und Konstellationen, in der [00:43:00] Regeln schon oder Strukturen vorbestimmen, was der
überhaupt machen kann und er deswegen nicht mehr selber wirklich handelt, sondern nur noch vollzieht, was vorher schon [00:43:10] festgelegt ist.
Und das lässt sich natürlich absolut fantastisch auf den Fußball übertragen in der Hinsicht und zeigt auch, dass, dass diese Herangehensweise [00:43:20] auch insgesamt einfach dem Zeitgeist entspricht. Man macht das natürlich aus guten Gründen sehr, sehr häufig, dass man bestimmte Fehler ausschalten will, bestimmte [00:43:30] Dinge, die nicht gut laufen, suboptimal laufen, dass man das nicht will.
wenn ich will, dass 'n Spieler immer eine gute Aktion macht, dann macht's Sinn, ihm zu erzählen, was in jeder Situation 'ne, ' gute Aktion ist [00:43:40] so. Und das Buch hat den Untertitel und das passt natürlich absolut perfekt „Vom Verschwinden des Spielraums". Und der Spielraum ist, glaube ich, hier ganz entscheidend.[00:43:50]
Dass nämlich ganz häufig dann diese Strukturpläne, die man hat auf dem Feld in der Praxis, in der echten Geschwindigkeit nicht so leicht anwendbar sind Häufig sich [00:44:00] bestimmte Sachen ein bisschen anders gestalten und teilweise man halt auch einfach den Spielern vielleicht Lösungen an die Hand gibt, die viel schlechter sind als man auf 'm Papier [00:44:10] irgendwie denkt.
Dieses Thema Taktiktafellösungen wie man mit einer Taktiktafel und so Plänen umgeht und so habe ich ganz viel mal in Seminaren. Wer da besser werden will gerne mal [00:44:20] spielverlagerung dot Academy auschecken. Grundsätzlich glaube ich is es einfach wichtig das man in der Ausbildung insbesondere von Spielern aber auch in der Entwicklung ner Mannschaft klar [00:44:30] hat, dass das immer nur im Grunde einen Rahmen bietet. Ne, dass die taktische Idee niemals, die darf von vornherein nicht [00:44:40] so konzipiert sein, aber die darf vor allem auch nicht so kommuniziert sein, dass es so rüberkommt, als wäre das zwangsweise immer die richtige und einzige Handlung, sondern es muss klar sein: [00:44:50] Das ist der Rahmen, so sind wir abgestimmt und das ist das, was du wahrscheinlich machen musst.
Aber es gibt Situationen, da musst du halt was anderes machen. Das musst du selber erkennen, das musst du selber entscheiden. [00:45:00] Und diese Abweichungen vom Plan und dass man Situation annimmt, wie sie kommt, das muss, glaube ich, noch mehr thematisiert werden und Trainer müssen [00:45:10] auch wieder besser darin werden Spieler darauf vorzubereiten, wie sie mit unterschiedlichen Situationen einfach umgehen und nicht nur mit den Situationen, die man irgendwie für sie geplant hat.
Dominanz
[00:45:20] Das wiederum lässt sich auch auf 'ne philosophische Ebene übertragen, nämlich dass weil der Deutsche erkennt, was Erfolg hat, hat er erkannt, dass [00:45:30] Kontrolle und Dominanz Erfolg hat. Dominanz und Kontrolle mit dem Ball, Guardiola Style, Dominanz und Kontrolle ohne Ball, Klopp Style, den Gegner die ganze [00:45:40] Zeit vom eigenen Tor weghalten, am besten gar nicht erst ins eigene Abwehrdrittel geraten, immer schon weit vorne die Bälle erobern, immer den Ball in den eigenen Reihen haben und immer selber bestimmen, was im Spiel passiert.[00:45:50]
Das ist absolut richtig erkannt. Die Krux sind zweierlei Sachen. Nämlich [00:46:00] erstens, du wirst nicht der Einzige sein, der das erkennt. Wenn Dominanz das gewinnende Konzept ist im Wettbewerb, [00:46:10] dann werden auch andere versuchen dominant zu sein oder Gegenkonzepte erschaffen, eins von beiden. Und dann wirst du's nicht immer schaffen, dominant zu sein, wie du's [00:46:20] willst so weil du einfach 'n Gegner hast, der sich wehrt.
Klopp und Guardiola Sind erstens extrem gut in der Umsetzung dieser Sachen und vor allem hatten sie aber auch im Zu Beginn ihrer [00:46:30] ihrer Karriere oder als sie durchgestartet sind, hatten die einen zeitlichen Vorteil, dass die ganz krass darauf gegangen sind, was andere nicht so fokussiert [00:46:40] haben.
Wenn du dir Guardiola oder Klopps Spieler von 2010 bis 2013 so ungefähr anguckst, dann sind deren Mannschaften immer krass dominant.
Und das [00:46:50] lässt sich natürlich nicht immer durchhalten, weil wenn zwei Mannschaften versuchen, krass dominant zu sein, dann wird's für mindestens für eine Mannschaft nicht funktionieren. Also entweder eine Mannschaft scheitert [00:47:00] krachend oder beide Mannschaften sind halt immer nur mal phasenweise dominant und müssen diese Dominanz aber auch immer mal wieder abgeben Oder man kämpft um die Dominanz.
Wenn wir Klopp gegen [00:47:10] Guardiola geguckt haben, dann waren das häufig solche Spiele, dass beide Mannschaften dann nicht so richtig dominant geworden sind sondern es wirklich dann Kleinigkeiten d.., ging wer das ma punktuell für [00:47:20] sich entscheiden konnte. Und in diesen Spielen geht es dann nicht mehr darum, Dominanz aufzubauen und das is n ganz klarer Coaching Fokus von ganz, ganz [00:47:30] vielen Trainern Dass es immer darum geht Dominanz überhaupt erstmal herzustellen, Dominanz zu erzeugen Das is ja auch logisch, dass das der Coachingfokus ist. Es ist vor allem logisch im kompetitiven [00:47:40] Fußball. In der Spielerausbildung hm so so.
Aber du brauchst die Bereitschaft und das Wissen auch, wie man richtig reagiert, [00:47:50] wenn diese Dominanz in sich zusammenfällt. Was ist denn... Ne? d-die Idee von Deutschland gegen Paraguay war, wir drücken die hinten rein, spielen uns Chancen heraus. Wenn wir den Ball verlieren, sind wir [00:48:00] im Gegenpressing da, erobern den Ball sofort zurück.
Die kriegen keine Chance, wir schießen drei Tore, weiter geht's. Die Realität war, dass die Chancen ausblieben. Die Realität war aber auch, dass ganz [00:48:10] punktuell, nicht mal oft so, aber punktuell hatte Paraguay halt auch was vom Spiel. Und dann darfst du in diesen Situationen halt nicht komplett zusammenbrechen.
Es macht Sinn [00:48:20] zu sagen, wenn wir im Spiel 30-mal den eigenen Strafraum verteidigen und dann kassieren wir zwei Gegentore, dann kann ich hingehen und sagen: „Das nächste Mal müssen wir noch perfekter Verteidigen, Ich kann aber auch [00:48:30] sagen:„Was
Was ist denn, wenn wir nur zweimal im eigenen Strafraum verteidigen oder nur drei oder vier oder fünf oder sechs Mal den eigenen Strafraum verteidigen müssen? Dann ist es ja viel einfacher, nur eins [00:48:40] oder sogar gar kein Tor zu kassieren, weil ich den Gegner einfach direkt vom Tor weggehalten hab. Aber es ist natürlich scheiße, wenn das dann dazu führt, dass jedes Mal, wenn der Gegner im Strafraum ist, ich mich so [00:48:50] unwohl fühle in der Situation und so wenig Erfahrung damit habe, was ich dann zu machen habe, dass ich dann immer sofort 'n Tor kassiere.
Und am Ende des Tages hab ich zwar nur fünfmal verteidigt im eigenen Strafraum und nicht dreißig Mal, [00:49:00] aber trotzdem zwei Gegentore kassiert. So, das ist das, was nicht passieren darf, sondern man muss die Mannschaft auch zumindest auf so 'ne Grundabilität und 'ne Grundqualität bringen [00:49:10] in den Aspekten, die du eigentlich vermeiden willst, Und das ist 'n Thema der Ausbildung. Es ist auch ein Thema der Psychologie, ne, dass, dass die Spieler auch darauf [00:49:20] vorbereitet sind, da dann richtig zu reagieren. Und es ist auch 'n Thema in der psychologischen Ausbildung der Spieler, dass die Spieler einfach generell, was ich vorher gesagt hab, [00:49:30] Situation annehmen, generell in der Lage sind zu erkennen, okay, jetzt ist eine Situation, die ist nicht das, was wir wollten, die ist nicht so, wie wir's gehofft haben.
Wir müssen jetzt [00:49:40] improvisieren und dass dann aber nicht die Reaktion ist: „Ah scheiße, jetzt läuft's schon schief. Jetzt müssen wir irgendwas anderes machen. Ich weiß nicht genau was", sondern dass die Reaktion ist: "Okay, was ist das [00:49:50] Beste? Das ziehen wir durch." Ne, dass du, wenn das, wenn das Schiff in, in Sturm gerät und in, ins Wanken gerät, dass du nicht von Bord springst oder dich oder irgendwie panisch über, über [00:50:00] Deck rennst, sondern dass du weißt, welches Segel, welches Tau muss ich mir schnappen, damit wir nicht kentern. So. was heißt das jetzt unterm Strich? Machen wir alles falsch? Sind wir alles [00:50:10] Idioten? ist Der deutsche Fußball gegen die Wand gefahren, weil die blöden Ingenieure die ganze Zeit ihre Pläne da durchdrücken wollen? Nee. Diese Entwicklung ist, wie ich's auch versucht [00:50:20] hab anzudeuten, ist logisch.
es ist zu 'nem bestimmten Teil auch effektiv
Das sind irgendwie in 'ner gewissen Weise logische Fehler, die da gemacht wurden. Und diese [00:50:30] Fehler, die kann man halt ausmerzen. Man muss nicht alles, was man bisher gemacht hat, übern Haufen werfen, Sondern man kann sich überlegen, was ist die Kehrseite der Medaille und wie finde ich 'ne Arbeitsweise, 'ne [00:50:40] Herangehensweise, die die Vorteile von dem, was ich mache hat, aber die, Nachteile nicht.
Klopp
Und ich glaube, es gibt so 'n bisschen zwei Wege. Im [00:50:50] Optimalfall schafft man die beide gleichzeitig zu gehen. So das ist meine ideale Version für den deutschen Fußball. Das ist nämlich Kompany auf der einen Seite, [00:51:00] Klopp auf der anderen Seite. Den logischsten deutschen Fußball, wenn wir sagen, der basiert auf Entscheidungsfindung, der basiert auf Direktheit, ist relativ ungeduldig [00:51:10] ist dennoch taktisch durchdacht, versucht Kontrolle zu erschaffen und nutzt Spieler in ihren Entscheidungen, in ihrer Aktivität, der ist ganz klar der von Jürgen Klopp.[00:51:20]
So. immer extrem gut abgesichert, extrem gutes Gegenpressing dadurch in der Lage Risiko zu nehmen direkt zu spielen. Klare Angriffsideen, klares Nutzen der Spieler in ihren Rollen. [00:51:30] Und s-es gibt kein, davon hat Guardiola ja immer geschwärmt, wie gut Klopp diese Bewegungen in die Tiefe fordert, fördert von, von seinen [00:51:40] Mannschaften.
Ähm, Dass es kein, kaum eine Mannschaft gibt, die so krass gut im offensiven Umschalten ist. Auch, ne, offensives Umschalten würd ich sagen Konterspiel ist was, das [00:51:50] macht 'ne Menge Sinn. Ähm, In-- Das ist auch ein bisschen unglücklich für die deutsche Fußballkultur. Es macht 'ne Menge Sinn in der deutschen Fußballkultur, aber ist ein bisschen unpopulär geworden im internationalen Vergleich, [00:52:00] weil Mannschaften so wahnsinnig gut geworden sind, Konter zu verhindern, weil die einfach keine Bälle mehr gefährlich verlieren, so.
Und das Gegenpressing von den andern auch so gut geworden ist. Deswegen, das ist vielleicht noch mal [00:52:10] so'n Randthema, dass man überlegt: Können wir vielleicht mit 'n bisschen mehr Risiko verteidigen, um häufiger in Konter reinzukommen? Wir können vielleicht 'n bisschen mehr laufen als die, dann haben wir vielleicht 'n Plan, der hier [00:52:20] und da ein bisschen mehr Raum offen lässt,
Egal. Aber da, ja, da schweife ich 'n bisschen ab. Das ist äh, vielleicht für 'n, für 'n anderen Podcast oder für 'n Seminar von mir 'n [00:52:30] Thema. Mhm Aber grundsätzlich ist der Klopp Fußball, dem ja auch viele nacheifern, muss man sagen eine sehr gute Blaupause [00:52:40] für erfolgreichen deutschen Fußball. Der von Flick könnte man sagen auch. Ich glaube auch, dass man Flick aus der Bewertung der [00:52:50] äh, letzten, letzten acht Jahre Nationalmannschaft so 'n bisschen rausnehmen muss, weil die sehr, sehr krass an der Chancenverwertung ge-gescheitert [00:53:00] sind diese Mannschaft äh, die von Flick die ja unglaublich viele Chancen herausgespielt hat tatsächlich bei der, bei der WM und dann auch glaub ich mit vier Punkten rausgeflogen ist, ne?
Also es gab ja eine [00:53:10] Niederlage, aber man hat dann schon, man hat auch ein Spiel gewonnen und man hat auch gegen Spanien immerhin äh, Unentschieden gespielt. Deswegen, ich glaube, der, der Flickfußball, der macht schon [00:53:20] durchaus Sinn in 'nem deutschen, in 'nem deutschen Kontext. der hat halt nur die Schwäche, was ich vorhin gesagt hab, du brauchst du brauchst entweder sehr gute Absicherung oder herausragende Offensivspieler und das [00:53:30] hat beides nicht ausreichend gut geklappt bei Flick.
So. Klopp wird wahrscheinlich noch stärker auf Absicherung gehen. Der wird in der Absicherung keine Abstriche [00:53:40] machen kann man, glaub ich sagen, dass du im deutschen Fußball, du kannst in zwei Richtungen gehen. Du kannst in eine etwas defensivere gehen, das wäre eher Klopp oder in einer offensivere, das wäre eher [00:53:50] Flick. Das macht durchaus beides Sinn. glaube, Je stärker die Qualität generell von dir ist, wenn du sehr dominante Verteidiger hast, einen sehr dominanten Torwart ne Handvoll sehr dominanter [00:54:00] Offensivspieler, Flick Herangehensweise sehr viel Sinn. Ich glaube auch gerade in der Ausbildung von Spielern macht die Flick Herangehensweise sehr viel Sinn, weil sie wie gesagt sehr schwer ist.
Flick [00:54:10] ist ja nicht so stark Ingenieur wie viele andere deutsche Trainer. Der ist nicht so durchgeplant, sondern er ist schon direkter und einfacher im Offensivspiel, was er macht.
Die [00:54:20] Spielweise von Klopp ergibt im kompetitiven Rahmen sehr, sehr viel Sinn und wenn man sich anschaut, was der deutsche Spielerpool so hergibt ähm, dann sind das sehr viele [00:54:30] Spieler, die gut in 'ne Klopp-Mannschaft reinpassen würden, so. Deswegen glaube ich, dass dieser ähm, die Entscheidung Klopp Nationaltrainer, die äh, erschließt sich, also aus der [00:54:40] Richtung argumentiert, ergibt die sehr, sehr viel Sinn und ich bin gespannt, wie, wie sich das entwickelt.
Es ist zumindest, sagen wir mal, es logisch Klopp als Frontmann der deutschen Fußballkultur [00:54:50] zu haben in dem Sinne.
Kompany
Warum habe ich Kompany gesagt? Das ist ja Punkt zwei. Weil der Kompanie-Fußball kein [00:55:00] Ingenieursfußball ist, aber offensiv ausgerichteter Ballbesitzfußball. So. Ist ja mittlerweile auch sehr beliebt in Deutschland, der Kompaniefußball.[00:55:10]
Immer 'n gutes Zeichen, dass er zu dieser Fußballkultur passt. Guardiola war arguably, glaub ich, noch erfolgreicher als Kompany. Na ja gut, Kompany hat natürlich [00:55:20] Torrekord pulverisiert. dennoch war, war der, der Guardiola-Fußball immer so'n bisschen unbeliebt in Deutschland. Der Kompanie-Fußball ist es nicht, denn der ist [00:55:30] direkter, der wartet nicht so lange, der geht nicht so stark auf „Wir lassen einfach den Gegner und den Ball laufen und irgendwann sind die müde und irgendwann machen wir schon mal 'n Tor", sondern der, der Kompanie-Fußball ist [00:55:40] schon so: Wir schießen ein Tor mehr als die Was den Kompany Fußball aber zum Beispiel vom Nagelsmannfußball unterscheidet, ist, dass er viel prinzipieller ist.
Es wird viel mehr mit [00:55:50] Prinzipien gearbeitet, viel weniger mit Position, viel mehr mit Läufen, ne? Also diese Rollen zum Beispiel der Außenverteidiger, die in die Diagonal in die Spitze [00:56:00] durchlaufen die bei Company sehr populär äh, sind, diese Rollen. Das is 'ne Rolle, die is ideal für so viele deutsche Fußballer
Du kannst äh, die [00:56:10] Nationalmannschaften durchdenken, wie viele Mittelfeldspieler und Außenverteidigers im deutschen Fußball gab, die diese Rolle total geil hätten spielen können von Andy Brehme über Lothar [00:56:20] Matthäus bis Matthias Sammer und Philipp Lahm. Die wären alle geil gewesen in dieser Rolle.
Diese Shuttlerollen nenn ich sie hoch, runter auf einer Linie, die dann nicht auf der [00:56:30] Seite zu haben, sondern die in die Mitte zu haben Richtung Tor. Is 'ne tororientierte Rolle, es is 'ne Rolle, die für Direktheit sorgt, die für Dynamik sorgt, und die dafür sorgt, dass du, [00:56:40] dass du Bewegung im Spiel hast und Entscheidungen treffen kannst.
Und auch ansonsten hast du ja viele, die, die, die Sechser, die Stürmer ham ja alle sehr viel Bewegungsfreiheiten [00:56:50] und die sind sehr viel mehr mit, mit Prinzipien organisiert.
die geraten nich in, in Chaos aber die sind auch nichts, ist auch nicht so durchgeplant, was die machen wie, beim durchschnittlichen [00:57:00] deutschen LZ-Trainer.
Und es wird viel mehr mit Prinzipien gearbeitet, um in bestimmten Situationen sich adäquat zu verhalten. Mehr als das vorher geplant wird, welche Situationen [00:57:10] auftreten. Und das passt natürlich zur Aktivität, das passt zur Entscheidungsfindung, das passt zur Laufstärke, das passt zu den Dingen, die den deutschen Fußball auszeichnen. Und das ist, glaube ich, der [00:57:20] nächste Schritt, wo die deutsche Trainerausbildung hingehen muss. Wo die LZ Trainer sich alle ganz, ganz genau hinschauen sollten, dass sie's, dass sie's schaffen mehr mit [00:57:30] Prinzipien zu arbeiten, mehr mit diesen flexiblen laufstarken Rollen zu arbeiten, um Dynamiken zu schaffen, um ein gewisses Chaos in Anführungszeichen, denn Bayern [00:57:40] Spiel wirkt ja nie chaotisch, ne, sondern die sind immer trotzdem dann noch organisiert.
Aber du hast 'ne, du hast 'ne Komplexität, du hast 'ne, Bewegung im Spiel, die du nutzen kannst für dich. Das ist 'n [00:57:50] Fußball, der macht sehr viel Sinn für die Ausbildung deutscher Fußballer
Das Spektrum des deutschen Fußball
Und ich glaub, es ist gut, dass wir jetzt auf die Frage, welcher Fußball macht Sinn als deutscher Fußball.
Dass wir darauf 'ne Antwort gefunden haben, die in, [00:58:00] in einer Weise 'ne Spannweite aufmacht von A zu B. Denn da sind wir wieder beim Anfang: Deutscher Fußball ist anpassungsfähig, deutscher Fußball ist flexibel und kann unterschiedliche [00:58:10] Sachen und muss nicht auf eine Sache festgelegt sein, sondern er braucht auch eine gewisse Freiheit, um sich anpassen zu können.
So, Klopps Fußball ist ja auch so, der hat sich immer ein bisschen [00:58:20] angepasst. Es ging immer bei Klopp sehr stark darum, welche Spieler haben wir denn für den Angriff? Und dann wurden die, die Offensivsysteme, die Klopp genutzt haben, waren immer sehr, sehr stark auf die Offensivspieler angepasst.
Du [00:58:30] hast bei Liverpool n System gehabt, was extrem auf Spielaufbau durch die Außenverteidiger angepasst war. Du hast bei Dortmund zum Beispiel ein System gehabt, was viel mehr auf die zentralen Spieler ausgerichtet [00:58:40] war. Ne, Lewandowski und Kagawa im Wechselspiel und dann hattest du die Flügelstürmer eher so als Ergänzungsspieler.
Bei Liverpool wars andersrum, da warn die Flügelstürmer Salah und Mané warn die, die [00:58:50] Fokusspieler, die die Freiheiten hatten und die gesucht werden sollten. Und du hattest Firmino dazwischen als so den Ergänzer, der denen die, die Räume freimacht. Also immer sehr stark auf die [00:59:00] Spieler ausgerichtet und das Spiel von Kompany is auch sehr stark auf die Spieler ausgerichtet und es ist auch sehr flexibel.
Es hat sehr viele unterschiedliche Varianten und Elemente. So, es ist manchmal sehr [00:59:10] flankenlastig, manchmal flanken die gar nich, manchmal Distanzschüsse, manchmal nich, Manchmal Flügelspiel, manchmal sehr durch die Mitte, manchmal Überladung auf einer Seite, manchmal beide Flügel, manchmal [00:59:20] so... alles drinne.
Und das macht dann ja Sinn, dass man sich nicht so niederländisch drauf festlegt, wir spielen jetzt vier drei drei und wir brauchen auf jeden Fall den Spielertypen, ne. Wir [00:59:30] brauchen den Flügelspieler da, wir brauchen den Außenverteidiger da, wir brauchen den Sechser da, den Achter da, sondern dass man sich Freiheiten lässt
Ausbildung: Effektivität vs Risikobereitschaft
was ich noch wichtig finde zur Ausbildung zu erwähnen ist, [00:59:40] dass ein gutes Spielprinzip nicht unbedingt auch ein gutes Ausbildungsprinzip ist. Gleichzeitig will man gute Spielprinzipien relativ [00:59:50] früh anlegen, ne? Also wenn ich hier ma-, ich kann 'nem Fußballer was beibringen, zum Beispiel wenn du unter Druck bist und einen einfachen Pass hast, dann spiel den einfachen Pass.
Das wird ihm nicht helfen, besserer Fußballer zu werden, so [01:00:00] richtig, ne? Also es, es hilft ihn zwar so ganz abstrakt langfristig dass es für ihn selbstverständlich wird, gute Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig nimmt ihm das in der Situation [01:00:10] aber die Möglichkeit zu schauen, was im Dribbling geht, so was, was er sonst noch so machen könnte. Also effektiv Fußball spielen [01:00:20] heißt erfolgsstabil Fußballspielen. Erfolgsstabil spielen heißt aber weniger außergewöhnliche Dinge probieren. Weniger außergewöhnliche Dinge probieren heißt aber [01:00:30] weniger gut werden und weniger effektiv Fußball spielen, ne.
das ist 'n grundsätzliches Paradoxon, was ich nich so ohne Weiteres aufgelöst bekomme. Ich glaube, das muss einfach Hand in Hand [01:00:40] gehen und jeder Trainer muss das einfach wissen. Jeder Trainer muss es aufm Schirm haben, dass du gleichzeitig beides fördern willst. Du wirst fördern, dass die Spieler sehr viel [01:00:50] probieren, nach dem Außergewöhnlichen streben, die außergewöhnliche Lösung suchen.
Gleichzeitig willst du sie auch, ne, dazu erziehen rational zu sein und kluge Sachen zu machen und keinen Nonsens zu probieren [01:01:00] die ganze. Man kann das 'n bisschen so steuern, dass man sagt, im Training gibt's 'n bisschen mehr Freiheiten, im Spiel musst du 'n bisschen effektiver sein.
Aus der Richtung des Spielgeists ist mein [01:01:10] Ansatz ja so ein bisschen, dass man, äh, schaffen sollte, 'ne Freude für alle Elemente des Spiels zu schaffen. Also dass man 'ne Mentalität schafft, die [01:01:20] nicht nur resilient ist und nicht nur 'ne kreative Freude hat, sondern dass man 'ne Freude daran schafft, dieses Spiel gut und effektiv und erfolgreich zu [01:01:30] spielen.
Wozu dann automatisch dazu gehört, dass du dich klug verhältst in der Defensive, dass du gute Balleroberung hast, aber eben auch, dass du richtig was mit Ball kannst, dass du [01:01:40] Drucksituationen auflöst, dass du was kreierst nach vorne. Das gehört ja zu der Idee, das Spiel gut zu spielen, beides dazu. Hab ich bestimmt so ähnlich mal in der ersten Spielgeist-Folge [01:01:50] auch schon erklärt.
deshalb ist das auch 'ne, 'ne Grundidee, dass der Spielgeist diese beiden Sachen so ein bisschen zusammenführt und dieses Paradox so 'n bisschen auflöst.
Du kannst es so steuern, dass es auch bis zu nem gewissen Alter [01:02:00] volle Freiheit und wir befördern das sogar noch.
wir motivieren dazu, möglichst außergewöhnliches Zeug zu probieren, möglichst schwieriges Zeug zu probieren, damit erst mal die, die Grundlagen, die geschaffen werden, auf möglichst [01:02:10] hohem Niveau sind. Und dann hast du eine Übergangsphase, wo du zunehmend dann auch effektiv Fußball spielen willst und irgendwann muss es dann auch wirklich effektiv sein so.
Ja, also vielleicht so [01:02:20] bis zwölf 'ne reine Ausbildungsphase, wo wirklich so Feuer aus allen Rohren, dann von 12 oder von 14 bis 17 hast du so 'ne Übergangsphase und [01:02:30] dann ab 17, 18, 19 vielleicht irgendwo in dem Bereich willst du dann anfangen zu gucken, was kann der Fußballer jetzt, wie kann er's möglichst effektiv anwenden und so weiter und so fort.
Das ist, glaub ich, einfach 'n [01:02:40] Thema, was man aufm Schirm haben muss, gerade in Deutschland, weil man will ja auch nicht äh, die gleiche Jugendausbildung haben wie 1980, sondern man will ja, man will ja [01:02:50] optimalerweise auch 'ne bessere sogar
Jedenfalls macht's, glaub ich, Sinn, im Zuge dieser ganzen Entwicklung auch aufm Schirm zu haben, was gut funktioniert im Deutschen, und das eben [01:03:00] nicht nur in diesem Sinne, wir müssen genau das auch ausbilden, sondern das wird immer präsent sein in der Ausbildung. Also wie ergänzen wir das? Und [01:03:10] dann aber in letzter Konsequenz auch: Wie nutzen wir das?
Und dieses Nutzen ist dann, glaub ich, der nächste Schritt,
Was so in der Nationalmannschaft passiert ist in den letzten Jahren, das hat, glaube ich, gar nicht mal [01:03:20] so unfassbar viel damit zu tun, was in der Basis passiert ist, wobei wir jetzt schon ein paar Parallelen herausgearbeitet haben, aber darüber sprechen wir in ein paar Tagen. Wir [01:03:30] belassen es hier erst mal bei Teil eins dieses Podcasts, weil wir jetzt auch schon die Stunde voll haben und, den zweiten Teil habe ich schon zum Großteil aufgenommen.
Das wird noch mal eine Stunde. Das heißt, [01:03:40] ähm, ich will euch nicht erschlagen und ich glaube, hier kann man es thematisch auch ganz gut abbinden, dass man sagt: „Okay, was ist die deutsche Fußballkultur? Was ist Fußballkultur überhaupt und wie kann der deutsche Fußball [01:03:50] aussehen? Und, ähm, was heißt das ein bisschen für die Ausbildung?"
Und in Teil zwei reden wir ein bisschen darum, was in der Nationalmannschaft passiert ist, wie eine gute deutsche Fußballmannschaft zusammengebaut werden [01:04:00] muss, welche Spieler wertgeschätzt werden und nicht so, wie Spieler ausgewählt werden für die Nationalmannschaft und so weiter und so fort, wo noch mal ein bisschen das Thema, [01:04:10] Pragmatismus und so auch reinkommen wird.
Ähm, wer jetzt in den ersten Tagen schon Feedback hat, noch Gedanken hat, kann die mir auch gerne schicken. Dann kann ich vielleicht im, äh, zweiten Teil [01:04:20] darauf noch mal eingehen und damit, äh, hoffe ich, das hat, äh, viele, ähm, ja, viele auf 'ne gute, in 'ne gute Bahn gelenkt vom Denken [01:04:30] her. Das ist ja letzten Endes so ein bisschen das Ziel des Podcasts, dass, äh, Leute bisschen Aha-Momente haben und, Und Sachen vielleicht noch mal ein bisschen klarer [01:04:40] einordnen können als vorher. vielleicht war's auch alles Quatsch, was ich erzählt hab. Äh, bin gespannt, was andere dazu denken. Das waren erst mal meine Einschätzungen und [01:04:50] damit, äh, ja, vielen Dank fürs Zuhören und, ähm, gegebenenfalls viel Spaß mit, äh, Teil zwei.
Ich denke, ich werd [01:05:00] den am Donnerstag nach der Nominierung raushauen und da kann ich dann kurz auch noch mal Klopps erste Nominierung vielleicht, äh, kurz kommentieren dort. [01:05:10] [01:05:20]